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INTERKOSTALNEURALGIE
(Zwischenrippenschmerzen)
Der Begriff "Interkostalneuralgie" beschreibtziehende, gürtelförmige Zwischenrippenschmerzen entlang einem oder mehreren Zwischenrippenräumen mit typischen Druckpunkten paravertebral (= neben der Wirbelsäule), in der Axillarlinie (= von der Achselhöhle abwärts) und paramedian vorn (= neben der Mittellinie vorne). Betroffen sind die sog. Zwischenrippennerven (Nn. in tercostales). Daß diese Schmerzen paroxysmal, also streng attackenförmig auftreten, wie es aufgrund des Begriffes "Neuralgie" anzunehmen wäre, kommt relativ selten vor, in sofern ist der Begriff "Interkostalneuralgie" nicht ganz zutreffend, besser wäre "Interkostalneuropathie".
Häufige Ursachen für eine Interkostalneuralgie:
Seltene Ursachen für eine
Interkostalneuralgie:
Medikamentöse Schmerzbehandlung
bei Zwischenrippenschmerzen:
Akut (= plötzlich
einsetzend, heftig) und subakut
(= eher schleichend
verlaufend) können zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende
Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der
Schmerzen
tstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale
Antirheumatika
(=
Rheuma
mittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang
wirkende und
magen schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Mophin)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Sind die Zwischenrippenschmerzen eher anfallsartiger Natur, also im Sinne einer
echten
Neuralgie, so ist das Mittel der Wahl ein Antikonvolsivum
(= ein Mittel zur Behandlung der Fallsucht, aber auch bei
Schmerz
anfällen wirksam), so
Gabapentin oder Pregabalin als erste Wahl.
Grundsätzlich sollte aber auch bei einer Interkostalneuralgie
eine längerfristige
Schmerz
mittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder
gar Abhängigkeit vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva (=
Mittel gegen Depression, aber auch bei Interkostalneuralgie hilfreich)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch Neuroleptika hilft in vielen Fällen
Schmerzmittel einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Bei einem anhaltenden Schmerz sollten rechtzeitig alternative Methoden
eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockaden.
Infiltrative
Lokalanästhesie
(= Infiltrationen mit
Lokalanästhetika):
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in einer gezielten Infiltration
von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der
Muskulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Periphere temporäre
Nervenblockaden
(= mehr oberflächliche, zeitlich begrenzte Nervenbetäubungen):
Zwischenrippenschmerzen
sprechen gut auf wiederholte
Interkostalblockaden mit einem
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
an. In hartnäckigen Fällen kann die Blockadefrequenz durch Implantation eines
Katheters (* siehe weiter unten) erhöht werden.
Rückenmarknahe
Blockaden bei
Interkostalneuralgie:
Eine peridurale Blockade
(= rückenmarknahe
Betäubung)
im Brustwirbelsäulenbereich bedarf einer sehr strengen
Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und Risiko),
weil das therapeutische Risiko ungleich höher anzusetzen ist. Eine indirekte,
peridurale Blockade im Brustwirbelsäulenbereich läßt sich mit geringerem Risiko
mittels der lumbalen
(= den Lendenbereich betreffende)
Peridural
blockade erzielen, in dem das verabreichte Volumen so erhöht wird, daß
die Segmente der
Brustwirbelsäule
erreicht werden. Bei Anwendung der Kathetertechnik* kann die
Blockadefrequenz beträchtlich gesteigert werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel kann eine rückenmarknahe Blockade
auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist
dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende
Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert und damit verschiedenen Schmerzursachen entgegenwirkt.
Andere
Behandlungsmaßnahmen bei Interkostalneuralgie:
Neurolytische
(= nervenzerstörende) Verfahren
wie zum Beispiel epidurale
(= rückenmarknahe)
Einspritzung von Phenol (Neuendorf 1986) sollten die Ausnahme bleiben.
Von chirurgischen oder chemisch destruktiven
(= zerstörenden)
Eingriffen ist bei Interkostalneuralgie abzuraten, da diese kaum zum
Erfolg führen, beziehungsweise unbefriedigende Langzeitergebnisse bei hoher
Komplikationsrate aufweisen.
Bei den neurochirurgischen Verfahren sind periphere Neurektomien
(= operative Teilentfernung
eines Nerv
en) und dorsale Rhizotomien
(= chemische Unterbrechung der hinteren Wurzel des
Rückenmarks) von geringem Nutzen. Am
effektivsten soll eine DREZ-Läsion (Läsion der dorsal-root-entry-zone)
(= elektrische
"Verkochung"/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittzone am Rückenmark)
sein. Ansonsten können eher
elektrische Stimulationsverfahren am Rückenmark wie SCS (spinal
cord stimulation) gewählt werden.
Die Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) mit Klebeelektroden
kann bei der Interkostalneuralgie versucht werden, teilweise
läßt sich damit eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.
Akupunktur (Schmerzakupunktur)
wird in der Literatur unterschiedlich beurteilt.
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Aktualisiert:>31.01.2008</>
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